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Geopolitische Spannungen sorgen für kräftigen Preisanstieg am Erdgasmarkt
Seit dem letzten Energiemarkt-Update vor zwei Wochen zeigte sich am europäischen Erdgasmarkt durch kontinuierlich steigende Preise ein klar bullishes Marktumfeld. Zu Beginn der Woche verschärfte sich die geopolitische Lage erneut. Nach weiteren Angriffen zwischen den USA und dem Iran reagierten die Vereinigten Staaten mit einem Widerruf der zuvor angekündigten Lockerungen der Sanktionen gegen iranische Ölexporte. Hintergrund waren die jüngsten iranischen Angriffe auf Handelsschiffe in der Region. Die Energiemärkte reagierten darauf unmittelbar mit deutlichen Preisaufschlägen. Am deutschen Handelspunkt THE sprang das Day-Ahead-Produkt innerhalb kurzer Zeit seit Wochenbeginn von rund 44 €/MWh auf bis zu 49,8 €/MWh und näherte sich damit wieder der psychologisch wichtigen Marke von 50 €/MWh. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch für den Terminmarkt. Während das Kalenderjahr 2027 am THE Anfang der Woche bei 36,57 €/MWh settelte, handelte der Kontrakt in der Spitze knapp unter 40 €/MWh.
Eine kurzfristige Entspannung erscheint derzeit wenig wahrscheinlich. Die Ankündigungen von US-Präsident Trump auf dem NATO-Gipfel, in denen weitere militärische Maßnahmen gegenüber dem Iran in Aussicht gestellt wurden, haben sich bewahrheitet. Zusätzlich erklärt Trump das Friedensabkommen für hinfällig. Die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen wirkt sich auch auf die Durchfahrt durch die Straße von Hormus aus, da der Verkehr durch die Straße seitdem nahezu zum Erliegen gekommen ist. Da diese Route aber für einen bedeutenden Teil des weltweiten Öl- und LNG-Handels von zentraler Bedeutung ist, steigt die Sorge vor möglichen Lieferunterbrechungen und zusätzlichen Transportkosten. Auch die Erhebung von Zöllen für die Durchfahrt sowie steigende Versicherungsprämien werden regelmäßig thematisiert.
Neben den geopolitischen Risiken liefern auch die Fundamentaldaten kaum Gründe für fallende Preise. Für die kommenden Tage werden Temperaturen oberhalb des saisonalen Durchschnitts erwartet. Gleichzeitig deutet die Wetterprognose auf eine unterdurchschnittliche Windenergieerzeugung hin. Diese Kombination dürfte die Gasnachfrage im Stromsektor erhöhen, da gasbefeuerte Kraftwerke als Ersatz für die geringere Windproduktion eingesetzt werden müssen. Zusätzlichen Rückenwind für die Preise liefern die weiterhin vergleichsweise niedrigen europäischen Gasspeicherfüllstände sowie die Erwartungen eines El-Niño-Ereignisses in Asien. Dadurch könnte die asiatische LNG-Nachfrage steigen und den Wettbewerb um verfügbare LNG-Ladungen verschärfen. In der Folge droht eine weitere Verknappung des Angebots für europäische Abnehmer.
Solange keine nachhaltige Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran eintritt und die LNG-Versorgungslage angespannt bleibt, ist kurzfristig weiterhin mit einer hohen Preisvolatilität und tendenziell festen Erdgasnotierungen zu rechnen.
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